Die Wohnimmobilienkreditrichtlinie das Paradoxon zu Wohn-Riester

Die Wohnimmobilienkreditrichtlinie - das Paradoxon zu Wohn-RiesterDie Wohnimmobilienkreditrichtlinie – das Paradoxon zu Wohn-Riester – Die Förderung für den Erwerb von Wohneigentum wurde in der Vergangenheit drastisch zusammengestrichen. Die attraktivste Variante ist zweifellos die Förderung durch Wohn-Riester, auf die Wohnungsbauprämie haben nur wenige Anspruch. Der Förderung des Immobilienerwerbs durch Riester hat der Staat im März allerdings eine Richtlinie entgegengestellt, welche diese Förderung und den Immobilienerwerb generell ad absurdum führt: die Wohnimmobilienkreditrichtlinie.

Was hat es damit auf sich?

Dieses Wortungetüm bietet auch ein inhaltliches Ungetüm. Diese Richtlinie basiert auf der Forderung der Europäischen Kommission an die Mitgliedsstaaten, den Verbraucherschutz in Bezug auf Immobilienfinanzierung zu stärken. Hintergrund ist unter anderem die hohe Verschuldung spanischer Privathaushalte. Was besagt diese Richtlinie? Banken dürfen Baufinanzierungen nur noch dann vergeben, wenn sichergestellt ist, dass der Kreditnehmer das Darlehen während der gesamten Laufzeit ordnungsgemäß und im Rahmen seiner statistischen Lebenserwartung zurückführen kann. Die Bonitätsprüfung stellt nur noch auf die künftige Fähigkeit zur Rückführung ab und berücksichtigt dabei die Immobilie weder zum Zeitpunkt des Erwerbs noch eine mögliche Wertsteigerung. Wie absurd dieses Herangehen ist, verdeutlicht der Sachverhalt, dass sich möglicher Familienzuwachs aufgrund dann höherer Lebenshaltungskosten negativ auf die Bonität des Antragstellers auswirkt. Auf der anderen Seite fördert Wohn-Riester aber gerade Familien mit Kindern.

Die Wohnimmobilienkreditrichtlinie

Die neue Richtlinie muss auch berücksichtigen, ob ein möglicher Kreditausfall durch eine spätere Berufsunfähigkeit anstehen könnte. Wer mit einem Päckchen Zigaretten in der Hemdtasche zum Kreditgespräch kommt, hat vor diesem Hintergrund schlechte Karten. Gleiches gilt für relativ frisch verheiratete Paare. Eine mögliche spätere Scheidung beeinträchtigt die Liquidität, das Darlehen könnte ausfallgefährdet sein. Ebenso spielt die Branche bei Berufstätigen mit hinein. Ein möglicher Arbeitsplatzverlust in zehn Jahren muss berücksichtigt werden. Rentner, die ihr entschuldetes Haus barrierefrei umbauen möchten, und dafür wieder ein Grundschulddarlehen aufnehmen wollen, haben ebenfalls schlechte Karten – sie sind zu alt.

Es scheint, dass hier der Verbraucherschutz einen Schritt zu weit gegangen ist. Die bisherige Bonitätsprüfung bei Baufinanzierungen war völlig ausreichend. Möglicherweise erleben Portale wie kreditvonprivat.net jetzt einen überdurchschnittlichen Boom.

Die Bauindustrie warnt

Laut Aussage der Banken ist die Hypothekenvergabe seit Einführung der Richtlinie im März bereits um 20 Prozent zurückgegangen – und das in Zeiten historisch niedriger Zinsen. Das Baugewerbe warnt vor massiven Einbrüchen bei den Aufträgen. Dies bezieht sich nicht nur auf Neubauten, sondern auch auf Sanierungen, Renovierungen und, wie erwähnt, barrierefreies Wohnen. Verbraucherschützer, Banken und Baugewerbe sehen bei dieser Richtlinie massiven Nachbesserungsbedarf, da konsequenterweise nur noch Darlehen an unverheiratete, kinderlose Beamte ab 40 vergeben werden dürften. Alternativ müsste jeder Banker eine Kristallkugel auf dem Schreibtisch stehen haben und über die Fähigkeit der Vorhersage verfügen.

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Aktualisiert von admin am 7. September 2016