Ab wann sich ein Anlageberater für die Altersvorsorge lohnt

Anlageberater AltersvorsorgeZu Beginn jeder Altersvorsorgeplanung stellt sich die Frage, welche Summe angespart werden muss, damit der aktuelle Lebensstandard noch im Rentenalter aufrecht bleibt. Derartige Rechnungen – basierend auf diversen Zinsszenarien – sollte der Fachmann übernehmen. Das bedeutet aber nicht, dass der Laie derartige Berechnungen nicht nachvollziehen kann – am Ende handelt es sich nur um gewöhnliche Zinseszins-Berechnungen. Dennoch kann der Fachmann, aufgrund seiner langjährigen Erfahrung und einigen Tipps und Tricks, eine hilfreiche Unterstützung sein, wenn das Geld gewinnbringend angelegt werden soll. Natürlich stellt sich auch die Frage, welcher Anlageberater eine tatsächliche Hilfe ist. Bevor man sich an einen Versicherungsmakler oder -vermittler wendet, sollten schon im Vorfeld einige Informationen eingeholt worden sein. Kennt der potentielle Anleger schon einige Produkte und weiß zudem auch, welche Vor- und Nachteile gegeben sind, so können ihm keine „unnötigen Produkte“ verkauft werden. Schlussendlich gibt es immer wieder Anlageberater, die nicht unbedingt auf das Wohlergehen des Kunden achten, sondern vorwiegend das große Geld wittern, wenn sie eine Anlageberatung durchführen sollen. Am Ende spielt es aber keine Rolle, welcher Anlageberater kontaktiert wird – die Leistungen kosten natürlich Geld. Berater, die scheinbar kostenlos agieren, erhalten von den Banken und Versicherungen Provisionszahlungen, die der Kunde mit seinen monatlichen Beiträgen bezahlt.

Auf der Suche nach einem Anlageberater

Die unabhängigen Finanzberater finden sich in verschiedenen Organisationen – so gibt es den „Berufsverband deutscher Honorarberater„, den „Finanzplaner Deutschland Bundesverband“ und auch den „Verbund deutscher Honorarberater“. Cortal Consors und Comdirect, zwei klassische Online-Banken, bieten Wertpapierberatungen gegen Honorar an; auch die Quirin Bank berät nur gegen Honorar. Die Makler arbeiten hingegen auf Provisionsbasis: So gibt es den „Verband deutscher Versicherungsmakler“ und auch den „Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute“. Auch wenn viele Marktbeobachter der Meinung sind, dass eine Mitgliedschaft in einem der Verbände keine tatsächliche Gewähr für Seriosität ist, so hat der potentielle Anleger aber zumindest gute Chancen, einen „sehr guten Berater“ zu finden.

Im Jahr 2013 wurde vom Bundestag ein Berufsbild für Honorar-Anlageberater geschaffen. So soll der Kunde schon im Vorfeld erkennen, nach welcher Vergütungsform sein Anlageberater entlohnt wird. Somit besteht auch die Wahlfreiheit – der Kunde kann also selbst entscheiden, ob er einen Berater auf Honorar- oder Provisionsbasis kontaktiert. Es gibt aber keine festen Standards. Viele Berater haben „nur“ eine gewöhnliche Bankausbildung absolviert; mitunter gibt es auch Anlageberater, die „Certified Financial Planner“ (CPF) sind. Eine derartige Qualifikation wird durch das Siegel des „Financial Planning Standards Board“ bestätigt. Derartige Qualifikationsnachweise sind natürlich hilfreich und zeigen dem Kunden, dass sein Berater ein größeres Fachwissen besitzt.

Worauf muss der Anleger achten?

Natürlich ist die Unabhängigkeit ein Vorteil. Nur so ist es möglich, dass der Anlageberater Produkte empfehlen kann, die auch zu der Gesamtsituation des Kunden passen. Am Ende reicht es nämlich nicht, wenn nur Aktienfonds und diverse Versicherungen empfohlen werden – schlussendlich muss der Anlageberater auch Fragen zu Erbschaftsangelegenheiten und Steuern beantworten. Natürlich stellt sich auch die Frage, ob der Berater nur für Einzelfragen benötigt wird oder mitunter die Vermögensplanung übernehmen soll. Derartige Vereinbarungen müssen schriftlich festgehalten werden – am Ende sind derartige Faktoren nämlich auch für das Honorar entscheidend.

Ein seriöser Berater wird niemals aufdringlich und bereits abgeschlossene Verträge in Frage stellen. Würden kapitalbildende Policen, wie etwa Renten- oder Krankenversicherungen, gekündigt werden, wären die Nachteile größer als die Vorteile, die durch neue Verträge entstehen können. Jedes Erstgespräch sollte mit einer Bedarfsanalyse beginnen: Wurden bereits alle existentiellen Risiken – so etwa Berufsunfähigkeit, Haftpflicht oder Todesfall – abgesichert? Gibt es Vermögenswerte? Welche Verträge wurden bereits abgeschlossen? Welche Vorstellungen hat der Anleger?

Sind Verbraucherzentralen empfehlenswert?

Verbraucherzentralen werden vorwiegend Ratschläge zu der aktuellen Finanzsituation des Kunden geben – dabei können Versicherungen oder auch klassische Geldanlagen bewertet oder empfohlen werden. Jedoch handelt es sich um gemeinnützige Organisationen, sodass die Mitarbeiter keine Qualifikationsnachweise erbringen müssen. Die Beratung wird zu Honorarsätzen angeboten, wobei zu beachten ist, dass die Berater nicht von den Einnahmen alleine leben – vielmehr sind die Angestellten auf externe Geldgeber angewiesen. Das sind in der Regel Sparkassen und auch Banken, sodass der Verdacht nahe liegt, dass den Kunden vorwiegend Produkte von Banken angeboten werden, die auch gleichzeitig die externen Geldgeber der Berater sind.

Bei Strukturvertrieben sieht die Sache anders aus. Der Berater kann, sofern er gute Verkaufszahlen erreicht, in der Hierarchie aufsteigen, sodass er auch dann Geld verdient, wenn „Untergebene“ Verträge abschließen. Derartige Vorgehensweisen geraten immer wieder in das Kreuzfeuer der Kritik, da ein derart hoher Verkaufsdruck vorliegt, sodass sich der Berater kaum Zeit für den Kunden nehmen kann. Am Ende zählt nicht die Qualität, sondern vorwiegend der Abschluss und die Tatsache, dass ein weiteres Produkt verkauft wurde.

Welche Kosten fallen an?

Zu beachten ist, dass es keine festen Gebührensätze gibt. Alle Berater sind frei – Kunden und Berater können sogar über die Höhe des Honorars verhandeln. In der Regel beläuft sich der Stundenlohn zwischen 100 Euro bis 150 Euro. Bei Verbraucherzentralen werden – pro Beratungsstunde – zwischen 50 Euro und 100 Euro in Rechnung gestellt. Jedoch gibt es auch, je nach Thema und Verhandlungsgeschick des Kunden, Pauschalbeträge. Erhält der Anlageberater eine Provision, so findet sich die Höhe im Produktinformationsblatt des Fonds oder der Police.

In der Regel erhalten die Anlageberater eine Provision – diese wird dann fällig, wenn das Produkt verkauft bzw. vermittelt wurde. Jedoch gibt es, so die Verbraucherschützer, systematische Zielkonflikte zwischen den Kunden und den Beratern, da ausschließlich nur dann eine Zahlung für die Beratungsleistung erfolgt, wenn das Produkt abgeschlossen wurde. Aus diesem Grund empfehlen Verbraucherschützer die Beratung gegen Honorar. Schlussendlich können Honorarberater auch Fonds ohne Ausgabeaufschlag oder auch Kredite zu sehr niedrigen Zinsen vergeben – am Ende hat der Anlageberater auch kaum einen Druck, da er für seine Beratung auch dann entlohnt wird, obwohl er gar kein Produkt vermittelt hat.

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Aktualisiert von admin am 21. April 2017